Old Tjikko und Njupeskär – uralte Fichte und mächtiger Wasserfall im Fulufjället
Mitten im schwedischen Dalarna liegt ein Ort, der auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt. Keine große Stadt, keine bekannte Sehenswürdigkeit mit Souvenirshops und Menschenmassen – stattdessen Fjäll, Felsen, niedrige Vegetation und eine einzelne Fichte, die Geschichte geschrieben hat.
Old Tjikko steht im Fulufjället-Nationalpark und gehört zu den außergewöhnlichsten Natursehenswürdigkeiten Schwedens. Nur wenige Kilometer entfernt wartet mit dem Njupeskär zudem einer der spektakulärsten Wasserfälle des Landes.
Damit lassen sich gleich zwei besondere Ziele auf einer Tour durch den Fulufjället-Nationalpark miteinander verbinden.
Old Tjikko – ein Baum mit einer unglaublichen Geschichte
Wer vor Old Tjikko steht, könnte zunächst etwas enttäuscht sein. Die Fichte ist weder besonders hoch noch besitzt sie einen gewaltigen Stamm. Im Gegenteil: Zwischen Felsen und niedriger Fjällvegetation wirkt sie beinahe unscheinbar.
Das Besondere liegt jedoch unter der Erde.
Das Wurzelsystem der Fichte wird auf rund 9.550 Jahre datiert. Der sichtbare Stamm ist wesentlich jünger. Über Jahrtausende konnte sich die Pflanze immer wieder regenerieren, indem neue Stämme aus demselben Wurzelsystem entstanden.
Damit reicht die Geschichte von Old Tjikko bis in die Zeit kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit zurück.
Allein dieser Gedanke verändert den Blick auf den Baum.
Während Menschen kamen und gingen, Reiche entstanden und wieder verschwanden und sich das Klima mehrfach veränderte, überlebte dieses Wurzelsystem hier oben im schwedischen Fjäll.
Kein spektakulärer Baum – und gerade deshalb besonders
Old Tjikko ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Sehenswürdigkeit nicht immer riesig oder spektakulär sein muss.
Man steht vor einer relativ kleinen Fichte in einer kargen Landschaft – und trotzdem ist dieser Ort beeindruckend.
Vielleicht gerade deshalb.
Hier oben gibt es keinen großen Trubel. Wind zieht über das Fjäll, zwischen den Steinen wachsen Moose und Flechten und am Horizont verschwimmen Berge und Himmel.
Für Fotografen ist nicht nur der Baum selbst interessant. Besonders spannend ist die Kombination aus Old Tjikko und der offenen Fjälllandschaft.
Weitwinkelaufnahmen funktionieren hier hervorragend, weil der Baum als einzelnes Motiv in der Landschaft steht.
Bei dramatischen Wolken dürfte die Szenerie noch einmal deutlich stärker wirken.
Bitte Abstand halten
Old Tjikko ist trotz seines Alters empfindlich.
Wer den Baum besucht, sollte deshalb unbedingt auf den vorhandenen Wegen bleiben und die Absperrungen respektieren.
Nicht am Stamm anfassen, nicht auf die Wurzeln treten und für ein Foto nicht näher herangehen als vorgesehen.
Gerade bei einem Organismus, der mehrere Jahrtausende überlebt hat, sollte ein gutes Foto niemals wichtiger sein als dessen Schutz.
Njupeskär – Schwedens beeindruckender Wasserfall
Wer bereits im Fulufjället-Nationalpark unterwegs ist, sollte unbedingt auch den Njupeskär besuchen.
Der Wasserfall besitzt eine Gesamthöhe von rund 93 Metern, davon etwa 70 Meter im freien Fall. Damit gehört Njupeskär zu den höchsten und bekanntesten Wasserfällen Schwedens.
Das Wasser stürzt zwischen mächtigen Felswänden in eine tiefe Schlucht und bildet einen deutlichen Kontrast zur ansonsten ruhigen Fjälllandschaft.
Besonders nach Regenfällen oder während der Schneeschmelze dürfte Njupeskär beeindruckend sein.
Die Wanderung zum Njupeskär
Ein guter Ausgangspunkt ist das Besucherzentrum Naturum Fulufjället.
Von dort führt ein Wanderweg in Richtung Wasserfall. Die gesamte Runde zum Njupeskär ist ungefähr vier Kilometer lang und gilt größtenteils als gut begehbar.
Nach ungefähr 1,5 Kilometern erreicht man eine kleine Rasthütte mit Aussicht auf den Wasserfall.
Wer weitergeht, kommt deutlich näher an die Schlucht und an den Fuß des Wasserfalls.
Es gibt außerdem die Route „Fallet runt“, die um den Wasserfall herumführt. Teile dieses Weges sind allerdings deutlich steiler und felsiger.
Gute Schuhe gehören hier deshalb unbedingt zur Ausrüstung.
Ein Paradies für Fotografen
Für mich gehört die Kombination aus Old Tjikko und Njupeskär zu den interessantesten Fotospots einer Schwedenreise.
Beim Wasserfall würde ich auf jeden Fall ein Stativ mitnehmen.
Mit längeren Belichtungszeiten lässt sich das Wasser weich darstellen, während die dunklen Felsen einen starken Kontrast bilden.
Interessant dürften beispielsweise Belichtungszeiten zwischen ungefähr 1/4 Sekunde und mehreren Sekunden sein. Ein ND-Filter kann insbesondere bei Tageslicht hilfreich sein.
Aber auch kürzere Verschlusszeiten haben ihren Reiz. Sie frieren das Wasser ein und zeigen die Kraft des Wasserfalls wesentlich deutlicher.
Am besten nimmt man sich Zeit und probiert beide Varianten aus.
Kameraausrüstung
Für einen Besuch würde ich ungefähr folgende Ausrüstung einpacken:
Kamera mit einem guten Weitwinkelobjektiv
Standardzoom
Stativ
Polfilter
eventuell ND-Filter
Ersatzakku
Reinigungstuch für die Frontlinse
Regenschutz für Kamera und Rucksack
Besonders am Wasserfall sollte man mit Spritzwasser rechnen.
Drohnenaufnahmen
Der Fulufjället-Nationalpark wäre natürlich ein traumhaftes Gebiet für Drohnenaufnahmen.
Allerdings gelten in schwedischen Nationalparks besondere Schutzbestimmungen. Deshalb sollte man vor jedem Flug die aktuell gültigen Regeln des Nationalparks und die schwedischen Luftfahrtbestimmungen prüfen.
Gerade im Bereich von Brutplätzen und empfindlichen Naturgebieten kann der Drohnenbetrieb eingeschränkt oder verboten sein.
Beste Reisezeit
Jede Jahreszeit dürfte im Fulufjället ihren eigenen Reiz haben.
Im Sommer sind die Wanderwege meist einfacher zugänglich und die Tage lang.
Im Herbst verändert sich die Landschaft vollständig. Das Fjäll bekommt warme Farben, die Zahl der Besucher nimmt ab und mit etwas Glück entsteht bereits eine leicht winterliche Stimmung.
Gerade September halte ich fotografisch für besonders interessant.
Das Wetter kann allerdings schnell wechseln.
Sonne, Regen, Nebel und sogar erster Schnee können im Fjäll dicht beieinanderliegen.
Warme Kleidung und vernünftige Regenbekleidung gehören deshalb auch dann ins Fahrzeug, wenn die Wettervorhersage zunächst gut aussieht.
Old Tjikko und Njupeskär an einem Tag?
Grundsätzlich lassen sich beide Ziele miteinander verbinden.
Man sollte dabei allerdings nicht versuchen, möglichst schnell beide Punkte abzuhaken.
Der Fulufjället-Nationalpark ist ein Ort, für den man sich Zeit nehmen sollte.
Wer fotografieren oder filmen möchte, kann problemlos einen ganzen Tag hier verbringen.
Bei interessantem Wetter wahrscheinlich sogar deutlich länger.
NordicFocus-Fazit
Old Tjikko und Njupeskär gehören für mich zu den Orten, wegen denen sich eine Reise durch Schweden lohnt.
Auf der einen Seite steht eine unscheinbare Fichte, deren Geschichte fast 10.000 Jahre zurückreicht.
Auf der anderen Seite stürzt nur wenige Kilometer entfernt Wasser fast hundert Meter über die Felsen.
Ruhe und Kraft liegen hier ungewöhnlich dicht beieinander.
Und genau diese Kombination macht den Fulufjället-Nationalpark für mich so interessant.
Wer Natur liebt, fotografiert oder einfach Orte sucht, die man nicht wenige Minuten später wieder vergessen hat, sollte diesen Teil Schwedens unbedingt auf seine Route setzen.
NordicFocus-Tipp: Nicht nur den Wasserfall fotografieren. Dreht euch zwischendurch um und schaut auch in die entgegengesetzte Richtung. Gerade im Fjäll entstehen die interessantesten Bilder manchmal dort, wo eigentlich gar keine Sehenswürdigkeit eingezeichnet ist.
