Langschiff und Knarr stehen für zwei Seiten derselben maritimen Welt. Das schlanke Langschiff brachte Mannschaften schnell über Meer und Flüsse; die breitere Knarr transportierte schwere Ladung über den Nordatlantik. Beide beruhten auf hochentwickeltem nordischem Schiffbau.
Klinkerbauweise: leicht und zugleich elastisch
Die Planken wurden überlappend vernietet. Diese Klinkerbauweise ergab einen vergleichsweise leichten Rumpf, der sich in Wellen bewegen konnte. Spanten stabilisierten das Schiff, während ein Rahsegel den Wind nutzte. Viele Fahrzeuge konnten zusätzlich gerudert werden.
Die Form richtete sich nach der Aufgabe. Ein Kriegsschiff brauchte Geschwindigkeit, geringen Tiefgang und viele Ruderplätze. Ein Frachtschiff benötigte Volumen, Tragfähigkeit und ausreichend Freibord für offene See.
Das Langschiff
Langschiffe waren lang, schmal und für größere Besatzungen ausgelegt. Ihr geringer Tiefgang erlaubte das Anlanden an flachen Ufern und Fahrten auf Flüssen. Nicht jedes Langschiff war riesig: Skuldelev 5 aus Roskilde misst etwa 17,3 Meter und hatte 13 Riemenpaare, während Skuldelev 2 auf rund 29 Meter rekonstruiert wurde und Platz für 60 Riemen bot.
Solche Schiffe waren militärische Werkzeuge, aber auch Transportmittel und sichtbare Zeichen von Macht. Bau, Ausrüstung und Besatzung verlangten erhebliche Ressourcen.
Knarr und andere Frachtschiffe
Eine Knarr war breiter, tiefer und stärker auf Segelbetrieb sowie Ladung ausgelegt. Sie konnte Handelswaren, Tiere und Vorräte über große Entfernungen transportieren. Ohne Frachtschiffe wären Siedlungen auf Island und Grönland oder regelmäßige Verbindungen über den Nordatlantik kaum denkbar gewesen.
Zwischen Langschiff und Knarr gab es zahlreiche weitere Formen: Küstenfrachter, Fischerboote, Fähren und kleinere Arbeitsboote. Die fünf Skuldelev-Funde zeigen diese Vielfalt besonders anschaulich.
Navigation ohne moderne Instrumente
Erfahrene Besatzungen nutzten Küstenlinien, Wind, Wellen, Sonne, Sterne, Vogelzug und überliefertes Wissen. Direkte archäologische Belege für manche populären Hilfsmittel sind umstritten. Sicher ist: Erfolgreiche Fahrt beruhte vor allem auf Erfahrung, genauer Beobachtung und einem Schiff, dessen Grenzen die Mannschaft kannte.
Mehr dazu im Beitrag über das Wikingerschiffsmuseum Roskilde.
