Fünf Schiffe, die vor rund tausend Jahren absichtlich im Roskilde-Fjord versenkt wurden, bilden das Herz des Wikingerschiffsmuseums in Roskilde. Sie zeigen eindrucksvoll, dass es nicht das eine Wikingerschiff gab: Krieg, Handel, Fischerei und Küstenfahrt verlangten nach ganz unterschiedlichen Konstruktionen.
Die Skuldelev-Schiffe
Die Schiffe wurden in einer Fahrwassersperre bei Skuldelev gefunden und 1962 ausgegraben. Erhalten sind keine vollständigen Fahrzeuge, sondern große Teile ihrer Rümpfe. Trotzdem konnten Fachleute Bauweise, Herkunft und Funktion rekonstruieren. Dendrochronologie – die Datierung anhand von Jahrringen – verriet bei mehreren Schiffen sogar Bauzeit und Herkunft des Holzes.
Zur Gruppe gehören schlanke Kriegsschiffe, robuste Frachtschiffe sowie kleinere Boote für Küstenfahrt und Fischerei. Gerade nebeneinander machen sie sichtbar, wie spezialisiert die nordische Schiffbaukunst war.
Vom Original zur fahrfähigen Rekonstruktion
Das Museum beschränkt sich nicht auf Vitrinen. In der Museumswerft werden historische Werkzeuge und Techniken erprobt; auf Grundlage der Funde entstanden seetüchtige Rekonstruktionen. Solche Projekte gehören zur experimentellen Archäologie: Erst beim Bauen, Rudern und Segeln zeigt sich, welche Leistung eine Konstruktion tatsächlich ermöglicht.
Ein bekanntes Beispiel ist der Nachbau von Skuldelev 2, einem rund 29 Meter langen Kriegsschiff, dessen Holz aus dem Raum Dublin stammt. Skuldelev 5 war mit etwa 17,3 Metern deutlich kleiner und besaß 13 Riemenpaare. Die Unterschiede machen deutlich, wie weit das maritime Netzwerk der Wikingerzeit reichte.
Warum sich der Besuch lohnt
In Roskilde lassen sich Originalfunde, Rekonstruktionen und traditionelles Handwerk unmittelbar miteinander vergleichen. Das ist besonders hilfreich, weil ein dunkler Rumpfrest allein kaum vermittelt, wie beweglich und leistungsfähig diese Schiffe waren.
Wer selbst hinfahren möchte, sollte Öffnungszeiten, Führungen und mögliche Segelangebote kurz vor dem Besuch auf der Museumsseite prüfen. Saison und Wetter beeinflussen das Programm.
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